MetaTrader ./wikiINDEPENDENT ENCYCLOPEDIA · N#1 SOURCE EST. 2010SECTOR INTELLIGENCE & ADVANCED MARKET ANATOMY

Marktanatomie

Marktanatomie & Brokermodelle

Die Oberfläche zeigt Ihren Trade. Verträge, Preise und Risikobeziehungen erklären, was dahinter geschieht.

30.09.2026Deutsch · Quellenbasierter Wiki-KernUnabhängig von MetaQuotes
In diesem ArtikelVier EbenenModell-ExplorerAgentPrincipalMarket MakerSTPA-BookB-BookHybridAbsicherungKostenBrokerprofilQuellen

Vier Ebenen, die zusammengehören.

„STP“, „Market Maker“ und „A-Book“ beantworten unterschiedliche Fragen. Wer sie als austauschbare Qualitätslabels verwendet, verdeckt Vertrags- und Risikobeziehungen. Die folgenden Definitionen verbinden regulatorische Begriffe mit ausdrücklich als solchen gekennzeichneten Branchenbezeichnungen.

01 · VertragAgent / Principal
02 · PreisMarket Making
03 · ProzessSTP / manuelle Schritte
04 · RisikoA-/B-Book / Hybrid

MiFID II definiert Eigenhandel und Market Making. Die Branchenbegriffe A-Book und B-Book verwenden wir hier für die beschriebene Risikobehandlung; sie sind keine einheitlichen regulatorischen Zulassungskategorien.

[MIFID]

Orderweg und Risiko getrennt betrachten.

Schematische Lernmodelle. Keine Darstellung eines konkreten Brokers, keine Aussage über dessen Zulassung oder Ausführungsqualität.

Agent · Vertragsrolle

Der Vermittler beziehungsweise ausführende Dienstleister handelt für den Kunden. Wer den eigentlichen Handel abschließt und mit wem der Vertrag entsteht, muss aus den Vertragsunterlagen hervorgehen. „Agent“ allein sagt nichts über jeden Prozessschritt oder jede Vergütung aus.

Erlös und Risiko

Provision, Ausführungsentgelt oder andere offengelegte Vergütung; die konkrete Vereinbarung entscheidet.

Konsequenz für Nutzer

Auswahl von Ausführungsplätzen, Vergütungsanreize und verbundene Unternehmen bleiben prüfbedürftig.

Prüffrage

Wer ist meine Gegenpartei? An wen wird die Order übermittelt? Wer zahlt dem Vermittler?

Redaktionelle Modellbeschreibung; kein Anbieterbefund.

Principal · Vertragsrolle

Der Anbieter handelt im eigenen Namen als Gegenpartei. Bei einem OTC-CFD entsteht die Position gegenüber diesem Anbieter. Eine separate Absicherung mit einem anderen Unternehmen ändert nicht automatisch den Kundenvertrag.

Erlös und Risiko

Spread, Gebühren, Finanzierung und gegebenenfalls Ergebnis aus nicht abgesicherter Marktposition.

Konsequenz für Nutzer

Gegenparteirisiko und Kontrolle über die Ausführungsbedingungen. Absicherung, Eigenmittel und Kontrollsysteme sind relevant.

Prüffrage

Welcher Rechtsträger schuldet die Auszahlung? Wie sind Kundengelder und Ansprüche geschützt?

Redaktionelle Modellbeschreibung; kein Anbieterbefund.

Market Maker · Preisstellung

Ein Market Maker stellt Kauf- und Verkaufspreise und ist bereit, gegen eigenes Kapital zu handeln. Der Begriff bezeichnet eine Funktion. Er beweist weder vollständige interne Risikotragung noch einen bestimmten Ausführungsstandard.

Erlös und Risiko

Spread sowie gegebenenfalls Gebühren; Risiken und Absicherungskosten stehen dem gegenüber.

Konsequenz für Nutzer

Qualität und Herkunft der Quotes, Spread-Anpassung, handelbare Größe und Regeln bei Volatilität prüfen.

Prüffrage

Wie entstehen die Kurse? Welche Referenzmärkte, Aufschläge und Ausnahmebedingungen gelten?

[MIFID]

STP · Technischer Prozess

Straight-through processing beschreibt automatisierte Verarbeitung. Die NFA definiert STP für ihre Forex-Regel enger: automatische Gegenposition bei einer anderen Gegenpartei vor Kundenausführung, ohne menschlichen Eingriff oder Ausnahme. Ein Werbelabel muss nicht genau diese Definition verwenden.

Erlös und Risiko

Mögliche Provision oder Aufschlag auf den extern bezogenen Preis; die Gebührenstruktur ist separat zu prüfen.

Konsequenz für Nutzer

Automatisierung beseitigt weder Gegenparteirisiko noch sämtliche Interessenkonflikte. Verfügbarkeit und Qualität des Absicherungspartners bleiben wichtig.

Prüffrage

Welche STP-Definition wird verwendet? Erfolgt die Absicherung vor Bestätigung? Ist der Partner verbunden?

[NFA]

A-Book · Risikobehandlung

Branchenbezeichnung für extern abgesichertes Kundenrisiko. Dies kann je Trade oder aggregiert geschehen. Ein Netto-Hedge muss nicht jede einzelne Kundenorder eins zu eins nachbilden.

Erlös und Risiko

Gebühren und Spread-Aufschläge abzüglich Absicherungs- und Betriebskosten; Struktur im Einzelfall prüfen.

Konsequenz für Nutzer

Externe Absicherung ist kein Beleg für direkten Börsenzugang des Kunden. Auch der Broker kann weiterhin Principal sein.

Prüffrage

Wird jedes Risiko oder nur das Nettorisiko abgesichert? Bei wem? Welche Risiken verbleiben?

Redaktionelle Modellbeschreibung; kein Anbieterbefund.

B-Book · Risikobehandlung

Branchenbezeichnung für intern getragenes Kundenrisiko ohne entsprechende externe Absicherung des betrachteten Risikos. Kundenpositionen können sich teilweise gegenseitig ausgleichen. Wirtschaftlich relevant ist die verbleibende Nettoexposition.

Erlös und Risiko

Neben Gebühren kann das Ergebnis aus dem intern getragenen Risiko stehen; im vereinfachten ungesicherten Gegenparteimodell wirkt der Markterfolg der Kunden gegenläufig.

Konsequenz für Nutzer

Ein struktureller Interessenkonflikt erfordert besonders sorgfältige Prüfung. Die Bezeichnung allein beweist keine Manipulation und ersetzt keine regulatorische Bewertung.

Prüffrage

Welche Exposition wird intern getragen? Wie werden Ausführung und Interessenkonflikte unabhängig kontrolliert?

Redaktionelle Modellbeschreibung; kein Anbieterbefund.

Hybrid · Risikobehandlung

Ein Anbieter kombiniert interne Risikotragung mit externer Absicherung, etwa bei Überschreiten einer Risikoschwelle. Die Behandlung kann je Instrument oder Portfolio variieren. Eine feste Anbieter-Schublade kann diesen Prozess verfehlen.

Erlös und Risiko

Gemischte Erlös- und Risikoquellen; Veränderungen der Absicherung beeinflussen das Ergebnis.

Konsequenz für Nutzer

Auswahlregeln, Änderungen und mögliche Auswirkungen auf Kundengruppen müssen überprüfbar sein.

Prüffrage

Wann ändert sich die Risikobehandlung? Beeinflusst sie die Ausführungsregeln? Wie werden Änderungen protokolliert?

Redaktionelle Modellbeschreibung; kein Anbieterbefund.

Absicherung ist keine Konfliktfreiheit.

ESMA unterscheidet historisch vollständige, fehlende und teilweise Absicherung von CFD-Kundenrisiken. Der Broker kann in allen beschriebenen Varianten Gegenpartei bleiben. Die Behörde nennt verbleibende Konflikte, etwa Absicherung innerhalb der Gruppe oder ungleiche Behandlung von Preisabweichungen. Bei vollständig ungesicherter Gegenparteitätigkeit beurteilt sie den Konflikt besonders kritisch. Diese historische Einordnung ist keine aktuelle Zulässigkeitsentscheidung zu einem namentlichen Anbieter.

[ESMA]

Ein externes Geschäft schützt außerdem nicht vor jedem Ausfall: Der Broker kann gegenüber dem Kunden verpflichtet bleiben, während ein Absicherungspartner ausfällt oder eine Gegenposition nicht rechtzeitig zustande kommt. Welche Sicherungen bestehen, muss aus Vertrag, Aufsicht und tatsächlichem Prozess abgeleitet werden.

Vereinfachtes Ergebnisbeispiel

Gewinnt der Kunde im ungesicherten Gegenparteigeschäft 100 Euro aus der Marktbewegung, steht dem beim Broker vor Gebühren und anderen Positionen ein gegenläufiges Ergebnis gegenüber. Eine passende externe Gegenposition kann dieses Marktergebnis ausgleichen. Das ist eine wirtschaftliche Modellrechnung, keine Aussage über Umsatz, Bilanzgewinn oder jedes einzelne Kundengeschäft.

Der Spread ist nur ein Teil der Rechnung.

Die FCA fand in ihrer Mehrfirmenprüfung Lücken bei Kostenbetrachtung und Offenlegung, unter anderem bei Übernachtfinanzierung. Sie thematisiert auch getrennte, gegensätzliche Kundenpositionen, die weiter Kosten erzeugen können. Damit gehört zum Modellvergleich eine vollständige Kostenrechnung: Spread, Provision, Finanzierung, Umrechnung und sonstige vertragliche Entgelte.

[FCA]

Eine Position im MetaTrader-„Hedging“-Kontomodus bedeutet, dass entgegengesetzte Positionen nebeneinander geführt werden können. Daraus folgt nicht, dass der Broker sein eigenes Kundenrisiko extern abgesichert hat. Plattform und Kontomodell unterscheiden →

Ein Brokerprofil braucht mehr als ein Modelllabel.

  1. Rechtsträger, Sitz, Register- und Aufsichtskennung identifizieren.
  2. Gegenpartei und Vertrag anhand gültiger Unterlagen feststellen.
  3. Instrument, Konto, Server und Ausführungsmodus zuordnen.
  4. Preisquelle, Gebühren und Ausführungsregeln prüfen.
  5. Absicherung als bestätigte Angabe, Anbieterbehauptung oder offene Frage kennzeichnen.
  6. Interessenkonflikte und Kontrollen mit konkreten Quellen beschreiben.

Bei externer Absicherung sind Name und Rolle des Partners nur zu veröffentlichen, wenn eine belastbare Quelle diese Beziehung und den Zeitraum bestätigt. Eine reine Verbindung in einem Netzwerk ist kein Einsatznachweis.

Quellen & Geltungsbereich

Die Aussage bleibt prüfbar.

  1. MiFID II · Art. 4, Begriffsbestimmungen

    Historische konsolidierte Fassung für Begriffsabgrenzung; aktuelles Recht gesondert prüfen.

    Quelle öffnen ↗
  2. ESMA · Q&A zu CFDs, 2016 · Abschn. 5, S. 18–20

    Historische MiFID-Einordnung; keine pauschale aktuelle Rechtsbewertung.

    Quelle öffnen ↗
  3. NFA · Rule 2-36(s)(5), Definition STP

    US-Regel mit eigenem Geltungsbereich; geprüft 30.09.2026.

    Quelle öffnen ↗
  4. FCA · CFD price and value review

    Aufsichtliche Mehrfirmenprüfung; nicht auf jeden Anbieter übertragbar.

    Quelle öffnen ↗

Wer darf das Angebot tatsächlich erbringen?

Erlaubnis, Anbieterrolle, Marktzugang und Schutzvorgaben für EU, UK, Schweiz und USA zusammen prüfen.

Regulatorische Voraussetzungen · Teil I →